
Spielbericht: Männer brechen nach der Pause ein - Jungotter zunächst ohne Mut
Eine Halbzeit lang war der HC Pleißental beim SC DHfK Leipzig III absolut auf Augenhöhe. Nach dem knappen 14:15-Pausenrückstand hielten die Otter die Partie zunächst weiter offen und waren beim 17:18 nach 36 Minuten unmittelbar am Gastgeber dran. Was anschließend folgte, war jedoch die schwächste Phase der noch jungen Verbandsliga-Saison. Mit einem 9:2-Lauf setzte sich Leipzig innerhalb von elf Minuten auf 27:19 ab. Pleißental fand darauf keine Antwort mehr und musste sich am Ende deutlich mit 24:36 (14:15) geschlagen geben.
Dabei knüpften die Otter zunächst an die gute erste Halbzeit des Saisonauftakts gegen die SG LVB Leipzig II an. In einer temporeichen Anfangsphase wechselte die Führung mehrfach. Tim Pflug erzielte den ersten Pleißentaler Treffer, wenig später sorgten Oscar Möckel und Franz Böttger für die erste 3:2-Führung. Auch beim 5:4, 6:5, 8:7 und 9:8 legten die Gäste immer wieder vor.
Im Vergleich zur Vorwoche funktionierte auch das Angriffsspiel besser. Einfache Spielzüge öffneten immer wieder Räume in der Leipziger Defensive, die Pleißental konsequenter zu nutzen wusste. Nach Treffern von Böttger und Pflug stand nach knapp 20 Minuten sogar eine 11:9-Führung auf der Anzeigetafel.
Zwischen den Pfosten feierte derweil Philip Leschak einen starken Einstand in der Verbandsliga. Mit mehreren Paraden gab er seiner Mannschaft den nötigen Rückhalt. Dass der DHfK trotzdem auf 15 Treffer in der ersten Halbzeit kam, war auch dem hohen Tempo der Begegnung geschuldet.
Die Gastgeber ließen sich allerdings nicht abschütteln. Aus dem 11:9 wurde ein 11:11, ehe sich beide Mannschaften bis in die Schlussminuten der ersten Hälfte einen offenen Schlagabtausch lieferten. Franz Böttger brachte Pleißental beim 14:13 letztmals in Führung. Zwei Treffer von Timo Schlutt drehten die Partie jedoch noch vor der Sirene zum 15:14 für Leipzig.
Ein Warnsignal, das die Otter mit in die Kabine nahmen. Der an diesem Tag als Trainer fungierende John Kretzschmar mahnte seine Mannschaft, nach dem Seitenwechsel noch einmal eine Schippe draufzulegen. Zu präsent war die Erinnerung an die Vorwoche, als gegen LVB ebenfalls eine gute Ausgangslage in der zweiten Halbzeit verspielt worden war.
Zunächst blieb Pleißental dran. Böttger verkürzte zum 15:16, Paul Nowak wenig später zum 17:18. Dann kippte die Partie vollständig.
Vier Leipziger Treffer in Folge sowie eine Zeitstrafe gegen Daniel Langnickel leiteten eine Phase ein, in der bei den Ottern kaum noch etwas zusammenlief. Technische Fehler häuften sich, die Gastgeber bekamen zunehmend Räume und nutzten diese mit ihrem schnellen Spiel konsequent aus. Aus einem 18:17 machte der DHfK innerhalb von rund elf Minuten ein 27:19.
Die Leipziger zeigten in dieser Phase genau jene Mischung, die vor der Partie nur schwer einzuschätzen gewesen war. Junge Talente und erfahrene Akteure drückten gemeinsam aufs Tempo und bestraften die Pleißentaler Fehler konsequent. Timo Schlutt avancierte mit zehn Treffern zum erfolgreichsten Schützen der Begegnung.
Auch der Torhüterwechsel brachte keine Wende. Tim Hujer kam in einer Phase in die Partie, in der der zuvor vorhandene Deckungsverbund zunehmend auseinanderfiel. Mit jedem weiteren Gegentreffer gingen die Köpfe weiter nach unten – und aus einem sportlichen Problem wurde zunehmend ein mentales.
Genau darin liegt nach diesem Spiel der größte Kritikpunkt.
Denn dass die Mannschaft handballerisch und konditionell auf diesem Niveau mithalten kann, hatte sie nicht nur in der Vorbereitung, sondern auch in den ersten 30 Minuten in Leipzig erneut bewiesen. Die zweite Halbzeit zeichnete jedoch ein völlig anderes Bild. Nach 15 Gegentreffern vor der Pause kassierte Pleißental anschließend 21 – und erzielte selbst nur noch zehn Tore.
Offensiv übernahm erneut Franz Böttger Verantwortung und wurde mit sieben Treffern bester Pleißentaler Werfer. Oscar Möckel kam auf fünf Tore, Tim Pflug und Magnus Mittag trafen jeweils dreimal. Zu wenig Gefahr entstand dagegen über den Kreis. Franz Büttner und Felix Heinrich bekamen nur selten verwertbare Zuspiele; auch die wenigen Möglichkeiten führten nicht zum Torerfolg.
Heinrich brachte bei seinem ersten Pflichtspieleinsatz für die Otter gegen seinen ehemaligen Verein zwar Spielwitz und Emotionen auf die Platte, konnte den Negativlauf seiner Mannschaft aber ebenfalls nicht entscheidend stoppen.
Auch einige strittige Entscheidungen des Schiedsrichtergespanns sorgten auf Pleißentaler Seite für Unverständnis. Ausschlaggebend für eine Niederlage mit zwölf Toren waren sie jedoch nicht. Vor allem die eigenen Unterzahlsituationen nutzte Leipzig wesentlich konsequenter, während die Otter aus ihren Überzahlphasen zu wenig Kapital schlugen.
Nach dem letzten Team-Timeout versuchte Pleißental zumindest, das Ergebnis nicht vollständig aus den Händen gleiten zu lassen. Die Schlussphase verlief wieder ausgeglichener, an der deutlichen Niederlage änderte das nichts mehr.
Nach zwei Spieltagen stehen damit zwei Niederlagen. Während das 23:27 gegen LVB vor allem deshalb schmerzte, weil die ersten Punkte greifbar waren, fällt die Bewertung diesmal deutlich kritischer aus.
Spiele gegen starke Gegner können verloren gehen. Entscheidend ist jedoch, wie eine Mannschaft mit schwierigen Phasen umgeht. Genau dort haben die Otter aktuell ihre größte Baustelle. Zum zweiten Mal in Folge konnte eine gute erste Halbzeit nach dem Seitenwechsel nicht bestätigt werden. Dieses Mal wurde aus einer offenen Partie innerhalb weniger Minuten eine deutliche Niederlage.
Die Antwort darauf muss nun auf der Platte folgen. Beim kommenden Heimspiel wartet mit dem ebenfalls noch punktlosen SC Riesa ein Gegner, der genauso dringend auf die ersten Zähler angewiesen ist. Für beide Mannschaften geht es darum, den Fehlstart zu korrigieren und die Rote Laterne abzugeben beziehungsweise gar nicht erst dauerhaft zu übernehmen.
Dafür brauchen die Otter nicht nur spielerische Qualität.
Sie brauchen Mentalität, Widerstandsfähigkeit und Kampfwille – über 60 Minuten.
Und sie brauchen einen Otterbau, der hinter ihnen steht.
SC DHfK Leipzig III – HC Pleißental 36:24 (15:14)
SC DHfK Leipzig III: Baier, Schlick, Beyer – Hanke (3/1), Kroth (6), Rösel (5), Wunderlich, Spieß (3), Engelmann, Schlutt (10), Artzt (5/1), Stantke, Schörnig (1), Domaschke (3).
Trainer: Alexander Groß
Trainer-Assistent: Kai Böhland
HC Pleißental: Hujer, Leschak – Roith, Büttner, Hahn (2), Berkmann (2), Möckel (5/2), Pflug (3), Nowak (2), Starke, Kreß, Langnickel, Böttger (7), Mittag (3/1), Mai, Heinrich.
Trainer: John Kretzschmar
Team-Assistent: Maximilian Kropp
Offizieller: Dirk Leschak.
Schiedsrichter: Patrick Grävendieck / Jessica Wiesner
Siebenmeter: SC DHfK 2/4 – HCP 3/4
Zeitstrafen: SC DHfK 3 – HCP 4
Zuschauer: 14
Jungotter fehlt zunächst der Mut gegen Lichtentanne
Der HC Pleißental hat am zweiten Spieltag der Regionsoberliga eine deutliche Niederlage hinnehmen müssen. Beim körperlich klar überlegenen TSV Lichtentanne unterlagen die Jungotter mit 19:41 (8:20). Vor allem in der ersten Halbzeit fehlten der jungen Pleißentaler Mannschaft der Mut im Angriff und der notwendige Zugriff in der 3:2:1-Abwehr. Nach deutlichen Worten in der Kabine zeigte das Team nach dem Seitenwechsel jedoch eine andere Einstellung – auch wenn sich dies auf der Anzeigetafel kaum bemerkbar machte.
Schon die ersten Minuten machten deutlich, dass die körperlichen Voraussetzungen eine Rolle spielen würden. Lichtentanne befindet sich bereits im zweiten C-Jugend-Jahr, während Pleißental ausschließlich mit jüngeren beziehungsweise teilweise noch D-Jugend-berechtigten Spielern antritt. Im direkten Vergleich waren die Gastgeber teilweise einen Kopf größer und ein bis zwei Jahre älter.
Davon ließen sich die Jungotter zunächst zu sehr beeindrucken. Im Angriff fehlte der Druck auf die gegnerische Deckung, defensiv bekam Pleißental kaum Zugriff. Nach nicht einmal drei Minuten stand es 0:2. Das Trainerteam reagierte bereits nach 3:08 Minuten mit der ersten Auszeit.
Die Ansprache zeigte zunächst Wirkung. Jannes fasste sich ein Herz, ging auf Halblinks ohne Scheu in die gegnerische Deckung und erzielte die ersten beiden Pleißentaler Treffer. Wenig später verkürzte Timo auf 3:5. Beim 5:8 nach gut zehn Minuten war die Partie zumindest wieder etwas offener.
Doch Pleißental fiel zunehmend in die Muster der Anfangsphase zurück. Vor allem die eigentlich offensiv ausgerichtete 3:2:1-Abwehr funktionierte an diesem Nachmittag nicht wie vorgesehen. Bewegung und gegenseitige Unterstützung fehlten, die Abstände wurden zu groß und Lichtentanne bekam immer wieder Räume.
Bemerkenswert war dabei, dass die Gastgeber ihre deutliche Führung nicht hauptsächlich über Gegenstöße herausspielten. Viele der 20 Gegentore vor der Pause fielen gegen den Pleißentaler Abwehrverbund im Positionsspiel. Lichtentanne nutzte die fehlende Abstimmung und den mangelnden Zugriff konsequent.
Auch offensiv fehlte den Jungottern der Mut, der sie beim Saisonauftakt gegen Fraureuth noch ausgezeichnet hatte. Statt mit Geschwindigkeit und Überzeugung in die Tiefe zu gehen, wurde der Ball häufig ohne ausreichenden Druck vor der Deckung bewegt. Dadurch musste sich der körperlich überlegene Gegner kaum verschieben und konnte die Räume geschlossen halten.
Über 8:5 zog Lichtentanne auf 12:5 und 14:6 davon. In den letzten Minuten vor der Pause wuchs der Abstand weiter an. Mit 8:20 ging es schließlich in die Kabinen.
Dort fiel die Ansprache des Trainerteams deutlich aus. Nicht die Höhe des Rückstands war dabei der entscheidende Kritikpunkt, sondern die Art des eigenen Auftretens. Die ersten 25 Minuten entsprachen nicht dem Entwicklungsstand, den die Mannschaft während der Vorbereitung und beim Saisonauftakt bereits gezeigt hatte.
Die Vorgabe für die zweite Hälfte war deshalb klar: nicht verstecken, körperliche Präsenz zeigen und unabhängig vom Spielstand weiter nach eigenen Erfolgserlebnissen suchen.
Einer, der sich das unmittelbar zu Herzen nahm, war Timo. Mit seiner eigenen körperlichen Präsenz suchte er nun konsequenter gute Wurfpositionen und erzielte unmittelbar nach Wiederbeginn mehrere Pleißentaler Treffer.
Doch die Ruhe im eigenen Angriff blieb ein Problem. Immer wieder verfielen die Jungotter in hektische Aktionen, ohne zuvor Druck in die Tiefe aufzubauen. Ballverluste und ein teilweise fehlender Rückzug machten es Lichtentanne anschließend leichter. Aus dem 12:23 wurde innerhalb weniger Minuten ein 13:32.
Dass es auch anders ging, zeigte die Mannschaft nach den Auszeiten. Sobald Ruhe und Struktur zurückkehrten, funktionierten die einstudierten Abläufe wieder besser. Genau darin sieht das Trainerteam eine der wichtigsten Erkenntnisse aus der Partie: Nicht das grundsätzliche spielerische Vermögen fehlt, sondern die Fähigkeit, die eigenen Routinen auch unter Druck konstant abzurufen.
Besonders Jannes setzte dabei positive Akzente. Sowohl auf Halblinks als auch auf der Mitte sorgte er mit Spielwitz für Gefahr, belohnte sich selbst mit Treffern und brachte gleichzeitig seine Mitspieler immer wieder in gute Situationen.
Auch Torhüter Jayden erwischte einen undankbaren Nachmittag. Die löchrige Deckung ermöglichte Lichtentanne zahlreiche gut vorbereitete und platzierte Abschlüsse. Trotzdem konnte sich der Pleißentaler Schlussmann mit einigen Paraden auszeichnen. Die 41 Gegentreffer waren an diesem Tag keineswegs ein Spiegel seiner persönlichen Leistung.
Und auch wenn das Ergebnis am Ende mit 19:41 deutlich ausfiel, war für das Trainerteam ein anderer Aspekt der zweiten Halbzeit wichtig: Die Mannschaft gab sich nicht auf.
Die Jungs ärgerten sich selbst über den Spielverlauf, steckten aber auch bei einem längst entschiedenen Spiel nicht den Kopf in den Sand. Nach Rückschlägen versuchten sie immer wieder, aufzustehen, die nächsten Aktionen besser zu lösen und sich eigene Erfolgserlebnisse zu erarbeiten.
Gerade bei einer jungen Mannschaft ist diese Reaktion ein wichtiger Teil der Entwicklung.
Die körperliche und altersbedingte Überlegenheit des TSV Lichtentanne liefert eine Erklärung für Teile des Spielverlaufs – eine Ausrede für 22 Tore Unterschied soll sie nicht sein. Denn einzelne Phasen haben gezeigt, dass die Jungotter mit konsequentem Zugriff, mutigem Angriffsspiel und den richtigen Entscheidungen auch körperlich überlegenen Mannschaften Probleme bereiten können.
Deshalb betrachtet das Trainerteam die Partie auch nicht als Rückschritt. Vielmehr hat das Spiel ziemlich deutlich aufgezeigt, wo der aktuelle Entwicklungsbedarf liegt. Dabei nimmt sich nicht nur die Mannschaft in die Pflicht. Auch die eigenen Wechseloptionen und taktischen Varianten sollen auf Trainerseite weiterentwickelt werden, um künftig besser auf unterschiedliche Gegner reagieren zu können.
Im Training wird der Schwerpunkt nun angepasst. Neben den Laufwegen und der Organisation der 3:2:1-Abwehr rücken vor allem die Angriffseffektivität und der konsequente Gang in die Tiefe stärker in den Mittelpunkt.
Denn eines soll spätestens im Rückspiel anders aussehen: Vor der körperlichen Überlegenheit des Gegners wollen sich die Jungotter dann nicht noch einmal verstecken.
TSV Lichtentanne – HC Pleißental 41:19 (20:8)
TSV Lichtentanne: Till - Moritz (5), Lennox, Manuel (5/1), Tim (10), Lias S. (13/1), Lias I. (2), Ole, Luca (4), Robin, Arthur (2)
Trainer: Robby Sieber
Trainer-Assistent: Jan Pampel
Offizielle: Franziska Landgraf
Team-Assistent: Daniel Reichelt
HC Pleißental: Jayden – Taim, Jaro (1), Paul (3), Anton F., Jonas, Jannes (6), Jano, Noah, Martin, Max, Anton W., Timo (9)
Trainerteam: Maximilian Kropp und Magnus Mittag
Offizieller: Philipp Knape
